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Grundlagen der TCM

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) aus heutiger Sicht

Die Traditonelle Chinesische Medizin (TCM) existiert seit mehr als 3000 Jahren. Sie ist eine Erfahrungsmedizin, aus deren Sicht Körper, Geist und Seele im Menschen zusammenwirken.

Für Gesundheit und Wohlbefinden kommt dem Gleichgewicht zwischen „yin“ (dem Körperlichen) und „yang“ (der Energie), den 5 Elementen sowie dem freien Energiefluss des so genannten „Qi“ (der Lebensenergie) auf seinen Energie-Leitbahnen (Meridianen)  herausragende Bedeutung zu.

Das hierzulande sehr bekannte yin-yang Zeichen, das Taiji-Symbol, stellt den Zusammenhang zweier Pole, die miteinander in enger Verbindung stehen, dar. Dieses Symbol steht für ständige Bewegung und Wandlung im Pendel um ein individuelles Gleichgewicht. In der Chinesischen Medizin symbolisert es unter anderem das Zusammenwirken von Körper (yin) und energetischen Funktionen (yang), z.B. Muskeln (yin) und Muskelbewegung (yang).

Die fünf ElementeDie 5-Elemente-Lehre spiegelt einen Kreislauf der Natur wieder, der unter anderem auf Abläufe im menschlichen Körper übertragen wird. Dieser Zyklus beginnt mit dem Element Holz, das das Feuer anfacht, auf der anderen Seite entsteht daraus Asche, d.h.  Erde. Wenn viel Erde aufeinander steht, dann entsteht Erderz, also Metall. In der Tiefe der Erde löst das Wasser die Mineralien und Metalle, steigt an einer Quelle wieder auf und nährt die Wurzel des Baumes – der Zyklus ist geschlossen.  Den einzelnen 5 Elementen werden körperliche und geistig-energetische Anteile, zugeordnet. Die Gewichtung der Elemente zueinander sollte für ein gesundes und glückliches Leben überwiegend ausgeglichen sein.

Unsere Grundveranlagungen erben wir, jedoch kann man unter anderem großen Einfluss auf die Ausprägung einer Erkrankung nehmen. Aus Sicht der TCM sind wir für mindestens 50% unserer Gesundheit selbst verantwortlich.

Erkrankungen werden als Folge von Störungen, Mangel oder Überfülle von yin, yang oder Qi in den Funktionsbereichen des Menschen oder auf den Energiebahnen gesehen.

Die Ursachen dafür können in Störungen des inneren Gleichgewichts, also emotionale Bewegungen, oder auch Folge eines von Aussen eingedrungenen krankmachenden Faktors beispielsweise von Kälte, Wind oder Feuchtigkeit sein. Weiterhin können ernährungsbedingte Störungen oder Unfälle und Verletzungen in das Gleichgewicht eingreifen und wie eine Art Störfeld auf kurze oder längere Sicht die Gesundheit beeinträchtigen.

Eine Diagnose aus Sicht der Chinesischen Medizin wird mit Hilfe der Puls- und Zungendiagnostik, der allgemeinen Betrachtung eines Menschen und der Befragung gestellt. Gleichzeitig unterscheidet der Arzt und Therapeut einerseits an welcher Stelle bzw. an welchen Stellen das Gleichgewicht gestört ist und sichtbar wird, die sogenannten Zweige einer Erkrankung, und andererseits den Ursprung, die so genannte Wurzel der Erkrankung. Je nach Ausprägung der Erkrankungen beginnt eine Behandlung an den Zweigen oder an der Wurzel oder an beiden gleichzeitig.

In der Vor- oder Frühphase der Störung oder zur Gesunderhaltung empfiehlt der TCM-Arzt die mildeste Form der chinesischen Arzneitherapie, die Ernährung nach den 5 Elementen. Sie gehört zu den “Therapien von Innen”. Mit Hilfe von bestimmten Nahrungsmitteln und Zubereitungsarten sollen die Schwächen des Patienten gestärkt werden oder es soll vermieden werden, dass seine krankmachenden Faktoren/Konstellationen “gefüttert” werden.

Ist der Mensch stärker im Ungleichgewicht oder bereits körperlich erkrankt, dann wird zumeist mit Hilfe der chinesischen Arzneitherapie (Heilkräuter, Mineralien und ggf. tierische Bestandteile) behandelt. Auch heute noch spielt die chinesische Arzneitherapie die größte Rolle in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie ist ebenfalls eine “Therapie von Innen”. Eine Zusammenstellung einer Rezeptur als Tee, Konzentrat oder Granulat ist nur zugelassenen Ärzten oder Heilpraktikern erlaubt und bedarf einer besonderen Ausbildung. Die Anmischung und Ausgabe ist an Apotheken gebunden.

Obwohl in China noch heute ca. 80-90% aller Fälle mit der chinesischen Arzneitherapie behandelt werden, ist die Akupunktur, eine so genannte “Therapie von Außen”, das weltweit bekanntere Verfahren. Das mag daran liegen, dass die Einfuhr und das Anwenden von Nadeln von den nicht-chinesischen Pionieren der TCM zunächst einfacher zu verstehen und anzuwenden war als die chinesische Arzneitherapie. Wie bei jedem TCM-Verfahren, wird die Konstitution und die aktuelle Krankheitssituation mit in die Auswahl der zu behandelnden Punkte einbezogen. Eine TCM-Behandlung ist immer eine individuelle Therapie! Zumeist wird eine kleine Auswahl der 365 Akupunkturpunkte mit bestimmter Nadel-Stichtechnik behandelt. Die Akupunkturpunkte finden sich auf 12 Energiebahnen, den so genannten Meridianen. Neben den 12 großen Bahnen existieren noch viele weitere bekannte Bahnen, die häufig in die Therapie mit einbezogen werden.

Zu den klassischen Verfahren gehört ebenfalls die Stimulation von Akupunkturpunkten über Massage-Verfahren, wie z.B. dem Pressen, Schieben, Greifen und Berühren wie es in der Akupressur, aber auch im Shiatsu und Tuina angewendet wird.

Weitere Therapien von Aussen sind das Schröpfen oder Schaben bestimmter Hautoberflächen oder die Behandlung mit Moxibustion. Bei der Moxibustion, auch Moxa-Therapie genannt, wird chinesisches Beifusskraut meist an klassischen Akupunkturpunkten auf der Haut punktuell verbrannt bzw. eine Wärme-Stimulation durch eine an der Spitze glühende Moxa-Stange oberhalb der Haut erreicht. Auch das Aufsetzen von kleinen Moxa-Kegeln auf Akupunktur-Nadelköpfe, die so genannte Feuer-Nadel, erzeugt starke Effekte.

Modernere Verfahren wie z.B. die Elektrostimulation der Nadel oder die Laser-Akupunktur erweitern heute die Möglichkeiten und Effekte der Akupunkturverfahren.

Bei den so genannten Mikro-System-Verfahren werden Körperbereiche über Spiegelungsfelder an anderen Stellen den Körpers stimuliert. Das bisher bekannteste Verfahren ist die Ohr-Akupunktur. Sie wurde von dem französischen Arzt Nogier seit 1951 begründet. Neben der Ohr-Akupunktur gibt es noch weitere Mikrosysteme, über die mit Akupunktur-Nadel-Stimulation behandelt werden kann wie z.B. die koreanische Hand-Akupunktur, die Schädel-Akupunktur nach Yamamoto oder die Balance-Therapie nach Dr. Tan.

Zur Gesunderhaltung eignen sich besonders Kenntnisse aus der Chinesischen Ernährungslehre, der Akupressur und insbesondere auch Bewegungsverfahren wie das TaiChi oder QiGong. Durch regelmäßig durchgeführte Übungen aktiviert man die Lebensenergie Qi, den Energiefluss in den Meridianen und stärkt darüber Körper, Geist und Seele gleichermaßen.

All diese Kenntnisse und Verfahren sollten von ausgebildeten Therapeuten angewandt oder gelehrt werden, da eine falsche oder schlecht ausgeführte Anwendung keine oder ggf. sogar negative Auswirkungen haben kann.

 

Autor: Dr. med. Dunja Petersen . TCM-Ärztin

2018-01-08T19:12:05+00:00 1. Januar 2012|Grundlagen der TCM, Top Thema|